Auslesedurchforstung mit Z-Baum-Konzept und Z-Baum-Auswahl

Um stabile und wertvolle Bestände zu erhalten, müssen zu gegebener Zeit Durchforstungen durchgeführt werden. In diesem Artikel wird das Konzept der Auslesedurchforstung mit Z-Bäumen beschrieben und wie dabei praktisch vorgegangen werden muss.

Zusammenfassung der Vorgehensweise bei der Auslesedurchforstung

  1. Es wird ein Zieldurchmesser festgelegt, der im Zeitpunkt der Endnutzung der Z-Bäume erreicht werden soll.
  2. Da ein fester Zusammenhang zwischen dem Durchmesser eines Baums und der Kronenbreite besteht, kann anhand der nachstehenden Tabelle die Anzahl der Z-Bäume und der mittlere Abstand zueinander bestimmt werden.

    Tab.: Z-Baum-Abstand und -Anzahl in Abhängigkeit vom Zieldurchmesser für verschiedene Baumarten [Durchforstungshilfe 2010 Df-10 der FVA Baden-Württemberg]

     Fi, Ta, DglKieBuEi, Es, Ah
    Ziel-BHDANZBANZBANZBANZBANZB
    405,5331
    456,0278
    506,52378,01568,513810,01009,0123
    607,51789,012310,59111,57611,083
    708,513810,59111,57613,55512,564
    809,511113,55514,54814,548
  3. Es werden Z-Bäume nach den Kriterien Vitalität, Stabilität (vor allem bei Nadelbäumen), Qualität und Verteilung ausgewählt und mittels Markierungsband aus Vinyl oder Forstmarkierfarbe dauerhaft markiert.
  4. Anschließend wird die erste Durchforstung durchgeführt.
  5. Es werden die 1 – 2 stärksten Bedränger je Z-Baum entnommen.
  6. Die nächsten Durchforstungen finden statt wenn die Kronen wieder in Konkurrenz zueinander stehen. Das sollte nach 3 m Höhenzuwachs oder etwa fünf Jahren wieder der Fall sein. Wegen des zunehmenden Sturmrisikos sollte die Durchforstung bis zu einer Oberhöhe von 25 m abgeschlossen sein.

Details und Hintergründe zur Auslesedurchforstung

Im Folgenden möchte ich nun auf die Details und Hintergründe zur Auslesedurchforstung eingehen.

Es wird hier die Auslesedurchforstung vorgestellt, die eine Sonderform der Hochdurchforstung ist. Dabei werden gut veranlagte Bäume ausgewählt, die durch Freistellung besonders gefördert werden. Die ausgewählten Bäume werden Zukunftsbäume oder kurz Z-Bäume genannt. Z-Bäume stellen die wertvollsten Bäume eines Bestandes dar und sind die typischen Kandidaten für eine Wertästung.

Definition und Ziele

Man spricht von Durchforstung wenn bei den Entnahmen im Wald erstmals verwertbare Holzsortimente anfallen. Die Durchforstung beginnt in der Regel zwischen 15 m und 17 m Oberhöhe. Es gibt verschiedene Arten der Durchforstung. Mit der Durchforstung will man folgende Ziele erreichen:

  • Der Zuwachs wird auf die qualitativ besten Bäume (Z-Bäume) im Bestand gelenkt, weil sie durch die Entnahme von Bedrängern mehr Licht, Nährstoffe und Kronenraum erhalten. Der Zieldurchmesser wird in einer kürzeren Zeit erreicht.
  • Die Stabilität des Bestandes erhöht sich. Durch die erhöhte Stoffproduktion nimmt der Stammdurchmesser zu und die grüne Krone wandert langsamer nach oben. Dadurch nimmt der h/d-Wert ab, der die Standfestigkeit von Einzelbäumen beschreibt. Er ist das Verhältnis von Baumhöhe (in m) zum Brusthöhendurchmesser (in cm). Bäume mit einem h/d-Wert von über 90 gelten als labil, unter 80 als stabil gegenüber Schnee und Sturm.
  • Mischungsregulierung. Es können gezielt gut veranlagte Mischbaumarten gefördert werden, damit sie später als Samenbäume dienen können. Lichtbaumarten müssen stärker freigestellt werden.

Z-Baum-Auswahl

Die Auslesedurchforstung bzw. das Z-Baum-Konzept basiert darauf, dass ein funktionaler Zusammenhang zwischen der Kronenbreite und dem Stammdurchmesser von Bäumen besteht. Beispielhaft ist dies im folgenden Bild für Fichten, bei denen Kronenbreite und Brusthöhendurchmesser gemessen wurden. Wenn konkurrierende Bäume entnommen werden, können die Z-Bäume ihren Kronenraum vergrößern und der Stammdurchmesser nimmt entsprechend zu.

Abb.: Beziehung zwischen Brusthöhendurchmesser und Kronendurchmesser bei vorNchenden Fichten (Quelle: „Empfehlungen zur Durchforstung von Fichten-, Tannen- und Douglasienbeständen“ der Clusterinitiative Forst und Holz Baden-Württemberg)

Wenn man sich z.B. bei einem Fichtenbestand für einen Zieldurchmesser von 45 cm entscheidet, so kann aus dem oberen Bild abgelesen werden, dass damit eine Kronenbreite (= Abstand zwischen den Z-Bäumen) von etwa 6 m einhergeht. Damit ergeben sich 278 Z-Bäume je Hektar.

Anzahl und Abstand der Z-Bäume

Über den Zusammenhang zwischen Kronengröße und Stammdurchmesser kann berechnet werden, wieviel Platz Bäume mit einem bestimmten Durchmesser benötigen und wie groß zum Erntezeitpunkt der Abstand der Z-Bäume zueinander sein muss. Damit kann über die Festlegung der im Erntezeitpunkt angestrebten Stärke der Z-Bäume der Platzbedarf für dheie Auswahlbäume berechnet werden und damit auch der mittlere Abstand der Z-Bäume zueinander und wie viele Z-Bäume auf einer Fläche Platz haben:

A = \sqrt{ \frac{(10.000 \mathrm{m})^2}{N_\mathrm{ZB}}} \\  N_\mathrm{ZB} = (10.000 \mathrm{m})^2 / A^2

Damit kann mit dem angestrebten Zieldurchmesser anhand der folgenden Tabelle Anzahl und der mittlere Abstand der Z-Bäume zueinander bestimmt werden.

Tab.: Z-Baum-Abstand und -Anzahl in Abhängigkeit vom Zieldurchmesser für verschiedene Baumarten [Durchforstungshilfe 2010 Df-10 der FVA Baden-Württemberg]

 Fi, Ta, DglKieBuEi, Es, Ah
Ziel-BHDANZBANZBANZBANZBANZB
405,5331
456,0278
506,52378,01568,513810,01009,0123
607,51789,012310,59111,57611,083
708,513810,59111,57613,55512,564
809,511113,55514,54814,548
  • Fi: Fichte; Ta: Tanne; Dgl: Douglasie; Kie: Kiefer; Lä: Lärche; Bu: Buche; Ei: Eiche; Es: Esche; Ah: Ahorn;
  • A: mittlerer Abstand der Z-Bäume zueinander
  • NZB: Ungefähre Anzahl der Z-Bäume je Hektar

Die Mindestabstände von Z-Baum zu Z-Baum können geringfügig unterschritten werden, wenn gegenüber den benachbarten Z-Bäumen entsprechend mehr Platz gelassen wird.

Kriterien für die Auswahl der Z-Bäume

Die Auswahl der Z-Bäume muss vor der ersten Durchforstung erfolgen. Für die Auswahl eines Z-Baums kommen nur mindestens herrschende Bäume (siehe Bild mit den Baumklassen nach Kraft) mit gut entwickelter Krone in Frage. Während bei Laubholz zur Erzeugung von Wertholz die Qualität im Vordergrund steht, liegt bei Nadelbäumen wegen der Anfälligkeit gegenüber Sturm und Schneebruch die Stabilität im Vordergrund, weshalb sich die Kriterien für die Auswahl etwas unterscheiden.

Abb.: Kraft’sche Baumklassen

Kriterien für Laubbäume

  1. Vitalität: Wüchsig, jung
  2. Schaftgüte: Lange grünastfreie Schaftlänge, ohne wesentliche Fehler, feinästig
  3. Kronenausformung: Keine Zwiesel, keine Totäste, ausgewogene Gestalt
  4. Verteilung: Mittlere Abstände gemäß obenstehender Tabelle

Kriterien für Nadelbäume

  1. Vitalität: Wüchsig, gesund, stabil (niedriges h/d-Verhältnis)
  2. Qualität: Ohne wesentliche Fehler, unbeschädigt, feinästig/astrein
  3. Verteilung: Mittlere Abstände gemäß obenstehender Tabelle, nicht direkt an der Rückegasse

Durchführung der Auslesedurchforstung

Markierung der Z-Bäume

Es empfiehlt sich die dauerhafte Markierung der ausgewählten Z-Bäume. Das erleichtert das Auszeichnen ganz erheblich und hilft einem Rückeschäden bei den Auswahlbäumen zu vermeiden. Die Kennzeichnung erfolgt am besten mit einem Markierungsband aus Vinyl, die um den Baum herum gebunden werden. Alternativ kann eine dauerhafte Forstmarkierfarbe benutzt werden (Punkte auf mindestens zwei Seiten).

Abb.: Mit Markierungsbändern gekennzeichnete Z-Bäume in einem ca. 50 Jahre alten Tannenbestand.

Ausgezeichnet wird am besten streifenweise zwischen zwei Rückegassen. In Hanglagen beginnt man am besten oben und arbeitet sich hangparallel vor.

Durchführung

Die erste Durchforstung schließt sich unmittelbar an die Auszeichnung der Z-Bäume an. Nach der Auswahl der Z-Bäume können die zu entnehmenden Bäume markiert werden. Dazu nimmt man entweder Markierungsspray , mit einem Reißhaken angerissen werden oder auch mit Markierungsband gekennzeichnet werden.

Es sollten je Z-Baum die ein bis zwei stärksten Bedränger entnommen werden. Als Bedränger werden die Nachbarbäume der Auswahlbäume bezeichnet, die meist über 70 % der Höhe und des Durchmessers des Z-Baumes erreicht haben und ihn in den Entwicklungsmöglichkeiten akut behindern oder in die Krone einwachsen. Wie man die Holzmenge abschätzen kann, die dabei entnommen wird, ist im Artikel Zuwachsschätzung für Waldbestände und Abschätzung einer Erntemenge beschrieben.

Der Zeitpunkt für den nächstes Durchforstungseingriff richtet sich nach der Wüchsigkeit des Bestands und ist fällig wenn sich die Kronen konkurrierender Bäume wieder berühren. Das sollte nach etwa 3 m Höhenwachstum nach 5 bis 10 Jahren der Fall sein. Im höheren Alter werden die Zeitabstände länger. Grundsätzlich gilt die Devise: Früh, mäßig und oft.

Links zur weiteren Lektüre

Durchforstungshilfe 2010 Df-10 der FVA Baden-Württemberg

Die Zielbaum-Durchforstung – ein Weg zur Erziehung starken Wertholzes

Versuchsergebnisse als Hilfestellung für die Bewirtschaftung

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1 Antwort

  1. PDimke sagt:

    Hallo, Auslesedurchforstung und Z-Baumdurchforstung, die Ihr als ein und dasselbe Konzept beschreibt sind eigentlich 2 paar Stiefel. Auslese bedeutet: Bei jedem Duchforstungsdurchgang wird neu ausgesucht (ausgelesen), und zwar ein paar weniger zu fördernde Bäume als beim vorhergehenden Duchgang. Deswegen beginnen Auslesedurchforstungen üblicherweise mit deutlich mehr Auslesebäumen als dann gegen Ende der AD noch auf der Fläche stehen, bzw noch durch Bedrängerentnahme gefördert werden. Das Konzept war Standard als man sich schweren Herzens und zunächst ängstlich von reiner Niederdurchforstung und Nagativauslese (Entrümpelung) gelöst hat. Das war in Süddeutschland vor 20 oder 30Jahren der Fall. Man hatte schlicht Angst vor negativem sozialem Umsetzen und Verlust früh geförderter Auslesebäume (jugendliche Hoffnungsträger), sodass man in jungen Beständen sicherheitshalber zunächst eine hohe Zahl ausgelesen (250 -600) und meist schwach gefördert hat (häufig zu schwach und vom schwachen Ende, also dann doch wieder nur Niederdurchforstung und Homogenisierung). Die Sorge, dass viele in der Jugend vitäle Bäume sozial absteigen oder beschädigt werden würden hat sich als idR. unbegründet erwiesen, sodass man später Konzepte umsetzte, bei denen bereits bei Erreichen der gewünschten grünastfreien Schaftlänge (5-8m), also schon in jungen Beständen die End- Zielbaumzahl auswählte und stark förderte (Lichtwuchs). Das sind dann je nach Baumart und Standort 50-150 Z-Bäume /ha, und zwar bis ins Endnutzungsalter, also bis dahin eine jahrzehntelang unveränderte Z-Baumanzahl. Aktuelle Konzepte fördern also von Anfang an wenige Z-Bäume, aber diese regelmäßig und stark, damit sie große Kronen bilden, stabile HD-Werte, zügiges Dickenwachstum bringen und gut fruktifizieren. Dabei werden im Idealfall dann tatsächlich nur die Bedränger der Z-Bäume entnommen, unabhängig von Art und Qualität der Bedränger.

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