Ausführliche Anleitung zum Sägekette schärfen

Schlecht schneidende Ketten führen zu Leistungsverlusten, höherem Kraftstoffverbrauch, Verschleiß an der Schneideeinrichtung und einer höheren Belastung für den Bediener der Motorsäge. Deshalb sollte man immer nur mit einer scharfen Kette arbeiten. Mit ein paar Tipps und der richtigen Ausrüstung ist das Schärfen der Sägekette mit einer Rundfeile gar kein Problem. Wie man dabei am besten vorgeht ist in diesem Artikel beschrieben. Gegenüber der Maschinenschärfung erzielt man mit etwas Übung beim Feilen mit der Hand bessere Ergebnisse und das bei weniger Materialabtrag (das bedeutet, dass die Kette öfters nachgeschärft werden kann).

Wann ist der Zeitpunkt zum Nachschärfen erreicht?

Zunächst stellt sich natürlich die Frage: Wie erkenne ich, dass die Kette (wieder) geschärft werden muss. Generell erkennt man eine stumpfe Kette an folgenden Merkmalen:

  • Kette zieht sich nicht oder nur wenig ins Holz.
  • Die Säge muss ins Holz gedrückt werden.
  • Es werden nur kurze Späne bzw. nur Sägemehl ausgeworfen.

Nach einiger Zeit und etwas Erfahrung kann man auch schon durch Betrachten und Befühlen der Schneide erkennen, wann man die Kette wieder nachfeilen sollte. Ich selbst befolge dabei die Devise lieber häufiger zu feilen (es gibt Leute die darauf schwören nach jedem Tanken zu feilen). Dann reichen weniger Feilstriche zum Nachschärfen aus.

Aufbau und Merkmale einer Sägekette

Um die richtigen Werkzeuge und Hilfsmittel auswählen zu können, muss man ein paar Dinge zum Aufbau von Sägeketten wissen.

Aufbau und Bestandteile einer Sägekette

Die Hauptmerkmale einer Sägekette sind Teilung, Treibgliedstärke und die Anzahl der Treibglieder. Dabei sind die einzelnen Glieder der Kette (Treibglied, Verbindungsglied, Schneidglied) in der Folge Schneidglied links, Verbindungsglied, Treibglied, Verbindungsglied, Schneidglied rechts und Treibglied fest miteinander vernietet.

Aufbau einer Sägekette und Ermittlung der Kettenteilung

Abb. 1: Aufbau einer Sägekette und Ermittlung der Kettenteilung

Ermittlung der Kettenteilung und Treibgliedstärke

Zur Ermittlung der Kettenteilung misst man den Abstand von der Mitte eines Nietbolzens bis zur Mitte des übernächsten und teilt dieses Maß durch zwei. Das Ergebnis ist die Sägekettenteilung in mm (dargestellt in Abbildung 1), die üblicherweise in Zoll (englisch: Inch – 1 inch = 2,54 cm = 25,4 mm) angegeben wird.

Treibglied einer Sägekette und Treibgliedstärke

Abb. 2: Treibglied einer Sägekette und Treibgliedstärke

In der untenstehenden Tabelle sind die gebräuchlichsten Sägekettenteilungen dargestellt. Diese Sägeketten sind in verschiedenen Treibgliedstärken erhältlich. Die Treibglieder sind die Teile der Kette, die in der Nut der Führungsschiene gleiten und über die die Kette durch das Kettenrad in Bewegung gesetzt wird. Die Treibgliedstärke gibt die Dicke des Treibgliedes an (siehe Abbildung 2). Mit der Anzahl der Treibglieder steht auch die Länge der Sägeketten fest. Das heißt, dass die Anzahl der Treibglieder und die Treibgliedstärke zur Führungsschiene passen müssen.

Die 3/8 Hobbyketten sind vorwiegend auf Hobbysägen und Motorsägen für die Baumpflege zu finden und weisen ein niedrigeres Profil auf.

Tab.: Teilung von Sägeketten und passende Rundfeilen

Teilung in ZollTeilung in mmMögl. NutbreiteFeilendurchm. 1. HälfteFeilendurchm. 2. HälfteBezugsquelle
0,3258,2551,3 / 1,5 / 1,64,84,5
3/8 Hobby9,5251,1 / 1,34,03,5
3/89,5251,3 / 1,5 / 1,65,54,8
0,40410,26161,5 / 1,65,55,5

Zahnformen von Sägeketten

Halbmeißelkette und Vollmeißelkette im Vergleich

Abb. 3: Halbmeißelkette und Vollmeißelkette im Vergleich

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch die verschiedenen Zahnformen von Sägeketten vorstellen, da diese Begriffe im weiteren Verlauf noch öfters zur Sprache kommen werden.

Es wird zwischen Vollmeißelketten und Halbmeißelketten unterschieden. Aus Abbildung 3 gehen die Unterschiede zwischen diesen Zahnformtypen hervor. Halbmeißelketten sind mit einem Radius an der Außenseite des Schneidglieds ausgeführt. Sie sind unempfindlicher gegenüber Schmutz und weisen eine geringere Neigung zum Rückschlag auf, was man vor allem bei Stechschnitten spürt.

Vollmeißelketten dagegen sind scharfkantig. Sie bietet eine höhere Schnittleistung gegenüber der Halbmeißelkette und verhält sich insgesamt aggressiver. Allerdings stumpft die Kette bei „Fremdkontakt“ (Steine, Schmutz, usw.) schneller ab und muss daher eher öfters nachgeschärft werden.

Schärfen der Sägekette von Hand und Auswahl der richtigen Rundfeile

Nach dieser Einführung zum Aufbau von Sägeketten geht es nun um das eigentliche Schärfen. Hier mal die Zusammenfassung der einzelnen Schritte, die ich dann nachfolgend noch genauer erläutern werde:

  1. Kette straff spannen (so dass man sie gerade noch mit zwei Fingern bewegen kann)
  2. Einspannen der Säge mit der Schiene in einem Schraubstock oder einem Feilbock (Feilbock z.B. hier).
  3. Markieren des Zahns bei dem man mit dem Feilen beginnt, z.B. mit einem Edding.
  4. Optional: Einlegen der Feilhilfen.
  5. Schärfen der Zähne mit der Rundfeile auf der einen Seite (von innen nach außen).
  6. Anschließend dreht man die Säge, spannt sie andersrum ein und feilt die verbliebenen Schneidezähne von der anderen Seite.
  7. Eventuell Tiefenbegrenzer nachschleifen, siehe Feilen des Tiefenbegrenzers

Auswahl der passenden Rundfeile

Die passenden Rundfeilen richten sich nach der Teilung und sind der oberen Tabelle zu entnehmen. Die verwendete Rundfeile soll ein Fünftel bis ein Zehntel ihres Durchmessers über das Zahndach ragen. Dadurch wird eine entsprechende Stabilität der Dachschneide und somit der Standzeit erreicht. Die Zahnhöhe ist bei den Kettenteilungen unterschiedlich. Deshalb muss man für unterschiedliche Teilungen auch Feilen mit verschiedenen Durchmesser verwenden. Ist circa die Hälfte des Schneidezahnes weggefeilt, sollte von der größeren auf die kleinere Rundfeile gewechselt werden, weil wegen des abfallenden Zahndachs die Zahnhöhe mit jedem Nachschleifen abnimmt.

Vorgehensweise beim Feilen

Die Rundfeile wird in den Schneidezahn eingelegt und mit der linken Hand gegen die Schneide gedrückt. Die Feile sollte – unter Ausnutzung der gesamten Feilenlänge – möglichst waagrecht und geradlinig vor bewegt und anschließend ohne Druck (weil die Schneide der Feile nur in Vorwärtsrichtung arbeitet) zurück bewegt werden. Dabei arbeitet man immer von innen nach außen. Mit innen ist die Seite mit der kürzen Schneide gemeint. Am besten markiert man – z.B. mit einem Edding – den ersten gefeilten Zahn und zählt die Feilstriche. Nachdem ein Zahn fertig gefeilt ist, wird die Kette ein wenig weiter bewegt und der nächste Zahn mit gleich viel Strichen gefeilt. Das macht man solange bis man wieder am markierten Zahn angelangt ist. Wie viele Feilenstriche notwendig sind hängt davon ab, wie stumpf die Kette bereits war.

Wichtig ist die Einhaltung des richtigen Schärfwinkels, der bei der Haltung der Feile gegenüber der Führungsschiene beachtet werden muss. Der Schärfwinkel variiert bei den Ketten und kann 25°, 30° oder 35° betragen. Dieser Winkel ist den Verpackungen von den Sägeketten zu entnehmen. Ist die nicht mehr vorhanden, kann man sich bei den meisten Ketten an der Verschleißmarkierung auf dem Zahndach orientieren. Übrigens kann bis zu dieser Markierung zurück gefeilt werden.

Hilfsmittel zum richtigen Feilen der Sägekette

Das Schärfen mit der Rundfeile benötigt ein wenig Übung. Vor allem muss man aufpassen, dass man nicht – anstatt mit seitlichem Druck – mit Druck nach unten arbeitet, was zu einer Art „Aushöhlung“ führen würde. Deshalb gibt es zum Feilen von Hand einige Hilfsmittel, mit denen sich bei richtiger Anwendung Schärffehler vermeiden lassen.

Zur besseren Einhaltung des Schärfwinkels kann ein Schärfgitter (z.B. hier) verwendet werden, das mittels Magnet an der Führungsschiene befestigt wird. Ein Schärfgitter ist in Abbildung 4 zu sehen. In Kombination mit einer Schärflehre bzw. Feilenhalter (z.B. hier Feilenhalter 4,0mm, Feilenhalter 4,8mm, Feilenhalter 5,5mm) kann man schon recht gute Ergebnisse erzielen. In dem die Auflagefläche auf das Zahndach aufgelegt wird, wird verhindert, dass man zu tief feilt. Außerdem sind zur Einhaltung des Schärfwinkels zusätzliche Hilflinien aufgebracht.

Die besten Erfahrungen habe ich mit dem Rollenfeilhalter, eine Feillehre von Husqvarna, gemacht. Man legt die Feillehre so auf, dass die Markierungspfeile in Richtung der Schienenspitze zeigen. Zum Schärfen führt man die Rundfeile mittig auf beiden Rollen im Schärfwinkel (normalerweise im rechten Winkel zu den Rollen).

Bilder sagen mehr als Worte: In dem folgenden Video ist die ganze Vorgehensweise zum Feilen der Kette sehr schön dargestellt. Dabei wird die eben erwähnte Feillehre von Husqvarna benutzt.

In dem Video kommen die Schärfsets von Husqvarna zum Einsatz, die als Paket wirklich günstig zu haben sind und eine empfehlenswerte Investition sind (für Teilung .325“, für Teilung 3/8“, für Teilung 3/8“ Hobby).

Ich verzichte auf das Betätigen der Kettenbremse, verwende jedoch noch zusätzlich ein Schärfgitter, weil mir dann das Einhalten des Schärfwinkels leichter fällt. Damit sieht mein Aufbau für das Schärfen folgendermaßen aus:

Aufbau zum Schärfen der Kette: Kombilehre von Husqvarna in Kombination mit Schärfgitter auf einer Sägeette von Stihl

Abb. 4: Aufbau zum Schärfen der Kette: Kombilehre von Husqvarna in Kombination mit Schärfgitter auf einer Sägekette von Stihl

Auf dem Bild ist erkennbar, dass man die Kombilehren von Husqvarna auch für Ketten von Stihl verwenden kann. Ich habe dazu im obigen Beispiel mit einer Flachfeile die Nuten von der Lehre für 1,5 mm mit wenigen Feilstrichen so verbreitert, dass die Lehre auf der Kette mit einer Treibgliedstärke von 1,6 mm aufliegt.

In den folgenden Tabellen sind die Feillehren aufgelistet mit den Artikelnummern und den Ketten, für die sie eigentlich gedacht sind. Es gibt diese Lehren mit und ohne Tiefenbegrenzer. Mit Tiefenbegrenzer sind sie Kombilehre genannt.

Tab.: Feillehren von Husqvarna ohne Tiefenbegrenzer

ArtikelnummerTeilungNutbreiteBezugsquelle
505 69 81-10.325”1,5 mmFeillehre .325"
505 69 81-11 .325”1,3 mm
505 69 81-123/8” Profi1,5 mm
505 69 81-143/8” Hobby1,3 mmFeillehre 3/8" Mini
505 69 81-15 .404”1,6 mmHusqvarna Feillehre .404" H64
504 98 16-78 .325"Sägewerk

Tab.: Kombilehren von Husqvarna mit Tiefenbegrenzer

ArtikelnummerTeilungNutbreiteBezugsquelle
505 69 81-09 .325"1,5 mmHusqvarna Kombilehre H25 .325"
505 69 81-08 .325"1,3 mmKombilehre H30 PIXEL .325"
506 69 81-073/8” Profi1,5 mmHusqvarna Kombilehre 3/8"

Feilen des Tiefenbegrenzers

Hat man die Kette ein paarmal nachgefeilt gibt es noch eine weitere Komponente, die man beachten muss. Durch das nach hinten abfallende Zahndach verliert der Zahn allmählich an Höhe und dringt nicht mehr so tief ins Holz ein. Deswegen ist nach etwa drei- bis fünfmaligem Schärfen der Tiefenbegrenzer des Schneidezahns mittels einer dafür geeigneten Lehre (Oregon Tiefenbegrenzungslehre) und Flachfeile (Flachfeile für Sägeketten) zu kontrollieren bzw. nachzuarbeiten. Bei den Kombilehren von Husqvarna ist ein Tiefenbegrenzer mit zwei unterschiedlichen Tiefen für Hart- und Weichholz schon mit dabei.
Die Tiefenbegrenzerhöhe bestimmt die Spanstärke. Ein zu niedriger Tiefenbegrenzer erhöht die Rückschlaggefahr sowie Vibration und die Kette „hackt“ sich beim Schneiden fest. Ist er zu hoch, dringt der Schneidezahn zu wenig ins Holz ein, und die Schnittleistung geht zurück. Als Standardmaß gelten 0,65 mm, die mit der Feillehre im Link oben erreicht werden. Je nach Holzart kann davon abgewichen werden (z.B. niedrigerer Tiefenbegrenzer für weiches Holz).
Die Kontrolle des Tiefenbegrenzers und das Vorgehen beim Nachfeilen ist ebenfalls in dem Video oben dargestellt.

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