Sortierung und Vermessung von Langholz

Nachdem man Bäume gefällt hat (Fälltechniken hier), müssen die geernteten Stämme für den Verkauf vermessen und sortiert werden. Das Holz wird dazu in eine sogenannte Holzliste aufgenommen. In diesem Artikel will ich aufzeigen, wie man dabei vorgehen muss und welche Werkzeuge dazu notwendig sind.

Grundsätzlich gilt, dass man Bäume erst dann fällt, wenn man schon einen Abnehmer für das Holz hat. Dazu kann man entweder selbst bei Sägewerken anfragen, sich an lokale Waldbauvereine wenden oder den zuständigen Förster um Hilfe bitten.

Rohholzsortierung

Bei Rohholz handelt es sich um gefälltes, entwipfeltes und entastetes Holz. Es kann als Langholz oder Kurzholz ausgehalten werden und wird sortiert nach

  • Stärke,
  • Güte und
  • besonderem Verwendungszweck.

In diesem Artikel geht es um die Vermarktung von Langholz. Für die Aushaltung von Kurzholz werde ich einen gesonderten Artikel schreiben.

Stärkesortierung bei Langholz

Nach der Handelsklassensortierung (HKS) gibt es verschiedene Möglichkeiten der Sortierung von Stammholz. Am weitesten verbreitet ist die Mittenstärkesortierung, bei der das Holz nach dem Mittendurchmesser ohne Rinde in Stärkeklassen nach der folgenden Tabelle eingeteilt wird.

Tab.: Mittenstärkesortierung von Stammholz

KlasseMittendurchmesser ohne Rinde
00 bis 9 cm
1a10 bis 14 cm
1b15 bis 19 cm
2a20 bis 24 cm
2b25 bis 29 cm
3a30 bis 34 cm
3b35 bis 39 cm
440 bis 49 cm
550 bis 59 cm
6ab 60 cm

Gütesortierung

Stammholz wird in verschiedene Güteklassen eingeteilt gemäß der folgenden Tabelle.

Tab.: Güteklassen von Stammholz

GüteklasseBeschreibung der Güte
AGesundes Holz mit ausgezeichneten Eigenschaften, fehlerfrei oder nur mit unbedeutenden Fehlern. Mögliche Verwendung als Furnierholz.
BHolz mit normaler Qualität mit einem oder mehreren Fehlern wie schwache Krümmung, schwacher Drehwuchs, geringe Abholzigkeit, Äste bis zu mittlerem Durchmesser oder leicht exzentrischer Kern.
CHolz, das aufgrund seiner Fehler (viele/starke Äste, stark abholzig, stark drehwüchsig, faule Abschnitte) nicht mehr in die Klassen A oder B fällt, aber noch gewerblich genutzt werden kann.
DHolz, das aufgrund der Fehler schlechter als A-C ist, aber noch zu min. 40% gewerblich genutzt werden kann.

Die hier erwähnten Holzfehler sind bei Wikipedia schön dargestellt.

Holzmessung

Längenmessung

Zur Längenmessung kann man entweder selbsteinrollende Maßbänder oder Reißmeter verwenden. Von Forstwirten wird sehr gern das Maßband von Husqvarna benutzt, das sich werkzeuglos spannen und lösen lässt und wegen seinem geschlossenen Gehäuse weniger Schmutz ins Innere lässt. Das Maßband wird zu Beginn des Entastens am Stammfuß mit einem Klapphaken (dringt gut in Weichholz ein) oder einem Scherenhaken (universal einsetzbar) befestigt. Mit dem Reißmeter wird nach jedem Meter eine kleine Markierung gesetzt und mitgezählt.
Wo mit der Längenmessung anzufangen ist, ist in der folgenden Abbildung dargestellt:

Beginn der Längenmessung bei verschiedenen Stammfüßen, Vermessung von Langholz

Abb.: Beginn der Längenmessung bei verschiedenen Stammfüßen

Der Pfeil zeigt jeweils die Stelle an, an der mit der Messung begonnen wird. Bei einem Stamm mit Fallkerb ist dies die Mitte des Fallkerbs (der Wurzelanlauf zählt dabei nicht mit). Bei einem Schrägschnitt ist dies an der kürzesten Seite und bei einem geraden Trennschnitt ganz vorne.

Es ist ein Übermaß von 1% oder mindestens 10 cm bei der Längenmessung am Stammende zuzugeben (vom Käufer können davon abweichende Forderungen gestellt werden). Das Übermaß wird jedoch bei der Längenangabe nicht berücksichtigt. Es sollte nur bei ganzen Metern abgeschnitten werden.
Bei Langholz ist die maximale Länge beschränkt durch

  • die zulässige Länge auf dem LKW auf normalerweise 20 m
  • und den Mindestzopfdurchmesser (ca. 15 cm mit Rinde).

Im untenstehenden Bild ist ein Beispielstamm dargestellt mit einer ausgewiesenen Länge von 20 m. Es ist ein Zumaß von mindestens 20 cm erforderlich. Der Mittendurchmesser wird bei 10 m gemessen. Die Messstelle wird mit einem kleinen Kreuz markiert (entweder mit Motorsäge ein klein wenig einsägen oder mit Reißmeter ankratzen).

Stammlänge mit Zumaß, Vermessen von Langholz

Abb.: Stammlänge mit Zumaß, Vermessen von Langholz

Messen des Durchmessers

Der Mittendurchmesser wird in der Stammmitte (ohne Zugabe) mit einer Messkluppe (empfehlenswert ist z.B. diese Messkluppe von Nestle) gemessen und in cm angegeben.

Die Vorgehensweise beim Kluppen ist im folgenden Bild dargestellt.

Durchmesser ermitteln mit der Messkluppe

Abb.: Durchmesser ermitteln mit der Messkluppe

Bis zu 20 cm Durchmesser kluppt man einmalig waagrecht. Ab 21 cm Durchmesser wird zweimal senkrecht zueinander gemessen und anschließend der Mittelwert gebildet. Es wird auf eine ganze Zahl abgerundet. Fällt die Messstelle auf einen Astquirl oder auf einen sonst unregelmäßigen Stammteil, so wird der Durchmesser aus dem Mittel der Messungen gleich weit oberhalb und unterhalb der Messstelle ermittelt. Der Zopfdurchmesser wird immer durch einmaliges waagrechtes Kluppen ermittelt.

Rindenabzug

Stammholz wird in der Regel ohne Rinde erfasst. Das bedeutet, dass entweder vor dem Messen die Rinde an der Messstelle entfernt wird (üblich bei hochwertigen Hölzern z.B. für die Submission) oder es erfolgt pauschal ein Rindenabzug anhand einer Tabelle.

Die folgende Rindenabzugstabelle enthält wissenschaftlich hergeleitete Rindenabzüge nach den Mitteilungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Für die Baumarten Kiefer und Lärche/Eiche fehlt eine fundierte wissenschaftliche Begründung und die angegebenen Werte stellen einen Durchschnitt aus der üblichen Forstpraxis dar und sind als Orientierungshilfe zu verstehen.

Tab: Rindenabzugstabelle nach den Mitteilungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

HolzartMittendurchmesser mit Rinde [cm]Rindenabzug [cm]
Fichtebis 261
27 bis 502
ab 513
Kieferbis 201
21 bis 362
37 bis 623
ab 634
Tannebis 221
23 bis 382
39 bis 553
ab 564
Douglasiebis 201
21 bis 372
38 bis 533
54 bis 704
ab 715
Lärche / Eichebis 201
21 bis 312
32 bis 423
43 bis 534
ab 545
Buchebis 411
ab 422
Eschebis 181
19 bis 292
30 bis 443
ab 454

Kennzeichnung und Holzaufnahme

Langholz der Güteklassen A, C und D muss am Stamm gekennzeichnet werden. Holz der Güteklasse B braucht nicht angeschrieben zu werden. Außerdem erhält jeder Stamm eine eigene Stammnummer, mit der jeder Stamm eindeutig identifiziert werden kann. Für die Nummerierung wird vorzugsweise ein Nummerierschlägel oder -hammer verwendet.

Die Stämme, die verkauft werden sollen, werden in einer Holzliste entsprechend ihrer Nummerierung aufgeführt. Die Liste enthält Baumart, Holznummer, Länge, Mittendurchmesser, Güteklasse und Holzmasse.

Die Berechnung der Holzmasse wird aus Länge und Mittendurchmesser ohne Rinde in Festmeter (fm) nach folgender Formel berechnet:

V = \pi \cdot r^2 \cdot l

Alternativ kann der Festgehalt aus einer Kubiktabelle abgelesen werden. Ich habe mal eine erstellt, sie kann hier (Rundholzkubiktabelle) runtergeladen werden. Links steht die Stammlänge, entsprechend des Mittendurchmessers muss dann die korrekte Spalte ausgewählt werden und es kann bequem der Festmetergehalt abgelesen werden.

Fallbeispiel

Anhand eines Fallbeispiels soll noch einmal die komplette Vorgehensweise zur Sortierung und Vermessung von Langholz erklärt werden.

Wir haben eine vom Borkenkäfer befallene Fichte mit einem Brusthöhendurchmesser von 30 cm gefällt (siehe dazu Fälltechniken bei der Baumfällung). Wir schneiden die verbliebenen Wurzelausläufe und den Waldbart (ausgerissene Fasern der Bruchleiste) weg und beginnen mit der Messung in der Mitte des Fallkerbs und hängen dort das Maßband ein und entasten anschließend den Stamm.

Der minimal zulässige Zopfdurchmesser von 15 cm wird bei 12,40 m mit der Kluppe gemessen. Damit legen wir die Verkaufslänge von 12 m fest, das Zumaß beträgt mindestens 1 %, hier also 12 cm. Wir schneiden daher bei ca. 12,20 m ab. Anschließend wird bei 6 m Stammlänge (ausgehend vom ursprünglichen Beginn der Messung) die Messstelle markiert und der Mittendurchmesser ermittelt. Wir messen einmal 22,X cm und einmal 23,X cm und erhalten abgerundet (22 + 23 )/2 = 22 cm. Gemäß unserer Rindenabzugstabelle wird bei Fichte bei diesem Durchmesser 1 cm Rinde abgezogen. Da es sich um B-Qualität handelt reicht es aus mit Forstkreide „12 / 21“ auf den Stammfuß zu schreiben. In die Holzliste tragen wir den Stamm mit Nummer und den ermittelten Festmetern laut Tabelle ein, hier 0,42 fm.

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3 Antworten

  1. Bablofil sagt:

    Thanks, great article.

  2. Oli sagt:

    Hallo,
    Sehr gut erklärt, ich habe eine Frage zu dem Fallbeispiel, zur Beschriftung im Beispiel ist 12/20 sollte es nicht 12/21 sein? Oder verstehe ich da was falsch?

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