Anleitung zur Aufforstung und Pflanzung – Teil 1

Bald ist wieder Pflanzzeit. In drei Artikeln will ich euch vorstellen, auf was man dabei achten muss und wie man am besten bei der Pflanzung vorgeht. Im ersten Teil soll es darum gehen, wann eine Pflanzung sinnvoll ist, in welchem Abstand gepflanzt werden soll und welche Pflanzen gekauft werden sollten.

Wann sollte man auf Pflanzung zurückgreifen?

Grundsätzlich ist die Naturverjüngung einer Pflanzung vorzuziehen, weil der Baumnachwuchs dann ganz ungestört seine Wurzeln schlagen kann und bereits an den Standort angepasst ist. Daneben hat es auch wirtschaftliche Vorteile, wenn man auf das Kaufen von Pflanzen und die Pflanzarbeit verzichten kann. Wenn jedoch die gewünschten Mutterbäume (wegen einem geplanten Waldumbau zum Beispiel) nicht da sind oder sonst keine Samenbäume zur Verfügung stehen oder die Sämlinge schon von Wild aufgefressen werden, dann muss man zu künstlicher Verjüngung (Saat oder Pflanzung) greifen.

Saat kommt selten zur Anwendung, weil der Erfolg trotz hohem Aufwands nicht sicher ist. Zwar kommt das Verfahren der Naturverjüngung am nächsten und bringt geringere Kosten als Pflanzung mit sich bei höherer Qualität durch größere Stammzahlen. Aber die oft vorhandene große Konkurrenz durch Bodenvegetation bringt häufig große Probleme mit sich, dass die Pflanzung das Standardverfahren der künstlichen Verjüngung darstellt. Durch den Wuchsvorsprung haben gepflanzte Bäume bessere Chancen die Gefahren der Jugend zu überstehen. Generell lassen sich folgende Vor- und Nachteile der Pflanzung festhalten [aus: Der Forstwirt]:

Vorteile:

  • unabhängig vom Altbestand können andere Baumarten gepflanzt werden
  • anderen Verjüngungsverfahren überlegen bei konkurrierender Bodenvegetation
  • Verteilung der Bäume kann gezielt erfolgen (gute räumliche Verteilung erleichtert die Pflege)
  • unabhängig von Samenjahren
  • i.d.R. hochwertiges genetisches Material aus den Baumschulen

Nachteile:

  • kostenintensiv
  • Risiko der Wurzelverformung bei unsachgemäßer Pflanzung
  • Ausfälle durch Pflanzschock möglich
  • Pflanzen werden gerne verbissen, machen einen Schutz notwendig um weitere Ausfälle zu verhindern.

Pflanzverband und Anzahl der notwendigen Pflanzen

Hat man sich zu einer Pflanzung entschlossen, ist die Frage zu klären, wie viel Pflanzen man benötigt. Das hängt natürlich in erster Linie vom Abstand der Pflanzen zueinander ab. Das wird als Pflanzverband bezeichnet. Wie groß der sein sollte, hängt in erster Linie von der Baumart ab. Bei Laubbäumen sind engere Abstände notwendig, um durch die natürliche Astreinigung qualitativ hochwertige, astfreie Stämme zu erzeugen.

In der folgenden Tabelle habe ich empfehlenswerte Pflanzverbände zu verschiedenen Baumarten zusammengefasst (aus: KULTURBEGRÜNDUNG UND JUNGWUCHSPFLEGE – Bayrische Forstverwaltung).

Pflanzverbaende

BaumartPflanzen pro HektarPflanzverband als HauptbestandSortimentWildlinge
Rotbuche6500 - 80001,5 m x 1 m2/0 (30 - 50 cm)3 - 5-jährig (30 - 50 cm)
1/2 (50 - 80 cm)
Eiche6000 - 80001,5 m x 1 m2/0 (30 - 50 cm)
1/2 (50 - 80 cm)
Edellaubbäume (Ahorn, Kirsche, usw.)3000 - 50002 m x 1,5 m2/0 oder 1/1 (30 - 50 cm)1 - 3-jährig (20 - 60 cm)
2 m x 1 m1/1 oder 1/2 (50 - 120 cm)
Weißtanne2000 - 25002 m x 2 m2/2 (15 - 40 cm)4 - 6-jährig (20 - 40 cm)
Europäische Lärche500 - 2500variabel1/1 (30 - 80 cm)
Douglasie2200 - 25002 m x 2 m1/1 oder 1/2 (30 - 70 cm)
Fichte2500 - 30002 m x 2 m2/1 oder 2/2 (30 - 70 cm)

Es empfiehlt sich, entweder im Rechteckverband oder im Dreieckverband zu pflanzen. Der Rechteckverband hat Vorteile bei der späteren Jungbestandspflege. Beim Dreieckverband wird der Standraum besser ausgenutzt und die Baumkrone hat mehr Platz bei gleichem Pflanzabstand.

Pflanzverband

Pflanzverband [aus; KULTURBEGRÜNDUNG UND JUNGWUCHSPFLEGE – Bayrische Forstverwaltung]

Empfehlungen zum Kauf von Pflanzen

In der oberen Tabelle sind auch Empfehlungen enthalten, was für Pflanzen gesetzt bzw. gekauft werden sollten. Die erste Zahl gibt an, wie viele Jahre die Pflanze im Saatbeet war, die zweite Zahl gibt das Alter der Pflanze seit dem Verschulen an. 1/2 z.B. bedeutet, dass es sich um eine dreijährige Pflanze handelt, die nach einem Jahr im Saatbeet verschult wurde und zwei weitere Jahre im Schulbeet verbracht hat.

Es gilt der Grundsatz: So klein wie möglich, so groß wie nötig! Je jünger eine Pflanze ist, umso besser kann sie am neuen Standort anwachsen und je kleiner die Pflanzen sind, desto ungestörter kann sich die Wurzel entwickeln und desto kleiner der Pflanzschock. Die Gefahr, von Konkurrenzvegetation (wie etwa Brombeeren) überwachsen zu werden, ist jedoch größer. Hier muss man also anhand des vorhandenen Standorts eine Entscheidung treffen. Großpflanzen sollte man nur in Ausnahmesituationen einsetzen.

Bei der maschinellen Entnahme von verschulten Pflanzen wird die Wurzel unterschnitten. Deshalb sind Sämlingssortimente mit unbeschädigten Wurzeln – wenn von der Größe her möglich – vorzuziehen. Der anfängliche Wuchshöhenunterschied gegenüber Großpflanzen gleicht sich bei ungehinderter Entwicklung innerhalb weniger Jahre aus.

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