Drahthose selber bauen als Einzelschutz vor Wildschäden

In diesem Artikel möchte ich euch vorstellen, wie man selber Drahthosen herstellt und warum ich sie als Einzelschutz für Sämlinge und Jungpflanzen anwende.

Nachdem eine Durchforstung in einem ca. 50-jährigen Tannenbestand erfolgreich durchgeführt wurde (Z-Baum-Konzept und Durchforstung) kommt in diesem Bereich erfreulicherweise Naturverjüngung auf. Wie groß das Potenzial durch diese Naturverjüngung ist, habe ich in nachfolgendem Bild durch eingedrückte Stöcke mal versucht zu verdeutlichen. Dabei sind an einem Stock oft mehrere Sämlinge zu finden. Im Grunde genommen also eine ausreichende Versorgung mit jungen Bäumen, um diese in ein paar Jahren zum Teil als Wildlinge umzupflanzen.

Abb.: Naturverjüngung, verdeutlicht durch eingedrückte Stöckchen

In diesem Artikel möchte ich euch vorstellen, wie man selber Drahthosen herstellt und warum ich sie als Einzelschutz für Sämlinge und Jungpflanzen einsetze.

Wildschäden und Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen

Leider sind vor allem Tannen sehr häufig Opfer von Wildschäden. Die wenigen Tannen, die vor der Durchforstung als Naturverjüngung aufkamen, waren vom Rehwild stark verbissen und/oder von Rehböcken verfegt.

Abb.: Verbuschung durch Verbiss an einer Tanne

Abb.: Fegeschaden an einer jungen Tanne

Abb.: Fegeschaden und Verbissschaden an einer jungen Tanne

Generell verursacht Wild bei hohen Populationen (und das ist leider häufig der Fall) Schäden in Wäldern. Man unterscheidet dabei zwischen Verbissschäden, Fegeschäden und Schälschäden.
Verbisschäden liegen vor, wenn das Wild Knospen und Triebe von kleinen Bäumchen abbeißt. Wird der Haupttrieb (auch Terminaltrieb genannt) abgebissen, ist der Zuwachs eines Jahres dahin. Mehrjähriger Verbiss kann zu Verbuschung, Zwieselbildung oder sogar zum Absterben der Pflanze führen.
Zu Fegeschäden kommt es, wenn (Reh-)Böcke den Bast – eine dünne Haut auf dem neu gebildeten Geweih – am Stamm von jungen Bäumen abstreift. Bei diesem Vorgang wird die Rinde der Bäume beschädigt, was zum Absterben oder zu Wuchsstörungen führt.
Bei beiden beschriebenen Schadensfällen sind vor allem seltenere Arten von Laub- und Nadelbäumen gefährdet. Das führt dazu, dass die seltenen Arten komplett aus dem Wald verschwinden und erschwert den Umbau von reinen Fichtenbeständen in stabile Mischwälder (Artikel: Umbau von Fichtenwäldern).

Schutz gegen Wildschäden

Deswegen sollen nun die vorhandenen Sämlinge geschützt werden. Dabei will ich eine zweigleisige Strategie verfolgen:

  1. Mindestens im Abstand der späteren Z-Bäume (Artikel Z-Baum-Konzept) werden Tannen und in diesem Bereich selten vorkommende Baumarten wie Buchen und Eichen im Einzelschutz mit einer Drahthose vor dem Zugriff von Wild geschützt.
  2. Da ich möglichst viele Tannen hochziehen will, um genügend Wildlinge für eine Pflanzung als Voranbau in Bereichen mit reinem Fichtenbestand zu haben, werden alle weiteren Sämlinge (insbesondere der Haupttrieb) chemisch geschützt. In einem Versuch soll etwa die Hälfte mit Forstmarkierfarbe eingenebelt werden, die andere Hälfte mit dem speziell dafür vorgesehenen Mittel „VERSUS extra“ eingestrichen werden. Hier soll in einem halben Jahr beurteilt werden, welches Mittel die bessere Lösung darstellt. Beides wird aber erst im September aufgebracht, weil die Triebe vor dem Auftragen verholzt sein sollen.

Verschiedene Optionen

Um die jungen Bäume zu schützen gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel Terminaltriebschutzmanschetten, Krepppapier, Schafwolle, Fegeschutzspiralen, Wuchshüllen und vieles mehr. Dabei ist die Schutzwirkung von einigen dieser Maßnahmen umstritten und/oder umständlich anzubringen. Den wirkungsvollsten Schutz stellt ein Zaun dar, mit dem die ganze Verjüngungsfläche umzäunt wird. Das ist aber auch der große Nachteil eines Flächenzauns: Ein Zaun ist teuer und aufwändig im Bau, damit werden ganze Waldbereiche gesperrt und er muss ständig auf Wilddichtheit überprüft werden.

Entscheidung für Drahthose

Eine Drahthose stellt einen Kompromiss dar. Sie ist praktisch ein Kleinstzaun, in dem nur der zu schützende Baum eingezäunt wird. Mit der Drahthose werden Bäume vor Verbiss und Verfegen geschützt. Trotzdem bleibt das ganze Areal frei zugänglich und fallende Bäume richten weniger Schaden an bzw. zerstören nicht den Einzelschutz. Somit können weitere Durchforstungsmaßnahem nahezu ungestört durchgeführt werden.
Dazu helfen die Drahthosen einem auf Kahlflächen gesetzte Pflanzen aufzufinden und von überwachsenden Gräsern zu befreien.

Bau von Drahthosen

Drahthosen können fertig gekauft werden, sind dann aber sehr teuer. Deutlich billiger ist der Eigenbau, wenn auch etwas zeitaufwändig. Dafür können die Hosen dann aber auch öfters verwendet werden.

Für meine Drahthosen habe ich einen gewöhnlichen Maschendrahtzaun verwendet. In diesem Fall sogar einen gebrauchten, der schon mal als Zaun eingesetzt wurde. Es handelt sich dabei um einen verzinktes Sechseckgeflecht mit einer Höhe von 1,20 m. Das reicht für Rehe und Hasen. Hat man Rotwild in seinem Wald, muss man die Höhe auf mindestens 1,80 m vergrößern.

Von dem Zaungeflecht zwicke ich ca. 1 m lange Stücke mit der Zange ab, was einen Durchmesser von ca. 32 cm ergibt. Da nur der Terminaltrieb geschützt werden muss ist das ausreichend. Wenn Seitentriebe aus der Hose rauswachsen ist es nicht so schlimm wenn diese angeknabbert werden. Nach dem Abzwicken formt man das ganze kreisrund und verrödelt die Enden miteinander. Ein etwas mühsames Unterfangen, aber wenn man den Dreh mal raus hat, geht es ganz fix.

Im nächsten Schritt haben wir geschälte, unbehandelte Fichtenpfähle mit einer Länge von 1,50 m neben den Sämlingen eingeschlagen. Am einfachsten und sichersten geht das mit einer Pfahlramme (hier erhältlich). Dann wird die Drahthose über Pfahl und Pflanze über gestülpt und die Drahthose mit drei Kabelbindern am Pfahl fixiert (man kann auch Krampen zur Befestigung verwenden, für die Wiederverwendung sind Kabelbinder besser). Zuletzt wird die Drahthose am Boden fixiert. Dazu habe ich kleine, dünne Holzstücke mit dem Beil angespitzt und daran Krampen (hier erhältlich) schräg eingeschlagen. Die kleinen Pfähle werden mit der Axt so in den Boden eingeschlagen, dass die vorstehende Krampe das Zaungeflecht sicher fixiert.

Abb.: Pflock mit Krampe zur Befestigung im Boden

Hier sieht man mal, wie die ganze Konstruktion aussieht:

Abb.: Drahthose mit Tannensämling

Abb.: Drahthose mit Tannensämling

Abb.: Hier ist der kleine Pflock zu sehen, mit dem die Drahthose im Boden fixiert wird.

Einfach, aber effektiv.

Damit der Draht nicht in die Rinde einwächst, muss die Drahthose entfernt werden, wenn die Bäume dem Äser entwachsen sind.

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