Anleitung zur Aufforstung und Pflanzung – Teil 2

Im zweiten Teil zur Pflanzung geht es um den richtigen Zeitpunkt der Pflanzung und die verschiedenen Pflanzverfahren und warum es so wichtig ist ein geeignetes Verfahren auszuwählen.

Geeigneter Zeitpunkt für die Pflanzung

Gute Pflanzzeiten für wurzelnackte Pflanzen sind frostfreie und regnerische Witterungsperioden im zeitigen Frühjahr (ca. Mitte März bis Ende April) und Herbst (etwa Ende Oktober bis Ende November).

Die Frühjahrspflanzung ist für sämtliche Baumarten vorteilhaft, weil die hohe Bodenfeuchte günstig für den Anwuchserfolg ist. Empfehlenswert ist ein Setzen kurz nach Auftauen des Bodens. Dabei sollte man nach Möglichkeit frühtreibende Baumarten wie Ahorn, Birke, Kirsche, Lärche vor spättreibenden (Eiche, Esche, Robinie) ausbringen. Nach dem Knospenaustrieb sollte nicht mehr gepflanzt werden.

Auch im Herbst ist eine frühe Pflanzung vorzuziehen. Als frühester Zeitpunkt für die Herbsaufforstung gilt der Triebabschluss bei Nadelbäume (September) bzw. der Laubfall bei Laubbaumarten (Oktober) [aus: ForstBW Praxis – Pflanzgut und Pflanzung].

Optimales Wetter für die Pflanzung

Die Wurzeln der Pflanzen müssen unbedingt vor dem Austrocknen geschützt werden. Deshalb sind ein bedeckter Himmel (oder sogar leichter Regen) und Windstille ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Pflanzung. Zum Anwachsen der Pflanze ist es optimal, wenn es in den Tagen nach der Pflanzung reichlich Niederschlag gibt.

Werden die Pflanzen nach dem Erhalt nicht innerhalb weniger Stunden verpflanzt, ist das sogenannte Einschlagen der Pflanzen erforderlich, um die empfindlichen Feinwurzeln vor dem Austrocken zu schützen. Die richtige Vorgehensweise für den Einschlag ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Wichtig dabei ist das Bedecken mit nasser Erde.

Richtiger Pflanzeinschlag, um die Feinwurzeln vor dem Austrocknen zu schützen [aus: Der Forstwirt]

Richtiger Pflanzeinschlag, um die Feinwurzeln vor dem Austrocknen zu schützen [aus: Der Forstwirt]

Auswahl eines geeigneten Pflanzverfahrens

Es gibt viele verschiedene Pflanzverfahren, die alle verschiedene Vor- und Nachteile mit sich bringen und mehr oder weniger geeignet sind.

Die Auswahl des Pflanzverfahrens ist für die langfristige Stabilität der Forstpflanzen und der neu begründeten Waldbestände von entscheidender Bedeutung. Dabei soll die vorhandene Ausbildung des Wurzelwerkes in Struktur und Umfang das Pflanzverfahren bestimmen. Ziel muss es sein, möglichst ungestörte (unbeschnittene) Wurzeln ohne Deformationen in den Boden zu bringen. Dies bedeutet die Anpassung des Pflanzverfahrens an die Wurzelausbildung der Forstpflanze und nicht umgekehrt! Konkret sind bei dreidimensionaler Ausbildung der Wurzeln Lochverfahren zu bevorzugen. Zweidimensionale Wurzeln, wie sie teilweise Sämlingssortimente (1+0, 2+0) aufweisen, können auch mit Klemmverfahren das Ziel erreichen [LWF Merkblatt 30].

Warum die Auswahl des richtigen Pflanzverfahrens so wichtig ist

Bei vielen herkömmlichen Standard-Pflanzverfahren, wie etwa der Winkelpflanzung, werden die Pflanzen eingeklemmt und dadurch die Wurzeln umgebogen und zusammengepresst. In „ForstBW Praxis – Pflanzgut und Pflanzung“ wurden die Ergebnisse von umfangreichen Untersuchungen zu den langfristigen Folgen von Wurzeldeformationen zusammengetragen:

  • Wurzeldeformationen verwachsen sich nicht
  • Umfangreiche Untersuchungen an knapp 8.000 gepflanzten Waldbäumen ergaben hohe Anteile starker Wurzeldeformationen. Ein Großteil der gepflanzten Bäume wies deutliche, pflanzungsbedingte Wurzeldeformationen auf. Wurzeldeformationen behindern ein Vordringen der Wurzeln in tiefere Bodenschichten und gefährden damit die Entwicklung und Stabilität gepflanzter Bäume und Wälder. Wurzelgrabungen an älteren Bäumen zeigen, dass sich solche Deformationen auch noch nach 40 Jahren auf die Wurzeltiefe und Wurzelintensität auswirken.
  • 30–40jährige Fichten aus Winkelpflanzung erreichen eine um durchschnittlich 24 % geringere Wurzeltiefe als Naturverjüngung.
  • Unsachgemäß eingekürzte und damit verstümmelte Hauptwurzeln regenerieren sich nicht.
  • Je stärker die Deformation, desto schlechter die Wurzelraumerschließung und die Verankerung im Boden und desto labiler der Baum!

Dass sich die Folgen einer unsachgemäßen Pflanzung auch noch nach Jahren auf die Wurzelform auswirken, lässt sich auch gut an der folgenden Abbildung erkennen. Hier wurden die Wurzeln nach vielen Jahren ausgegraben und die Entwicklung der Wurzeln bewertet.

Wurzeldeformationen durch falsche Pflanzung [aus: LWF Merkblatt 18]

Wurzeldeformationen durch falsche Pflanzung [aus: LWF Merkblatt 18]

Pflanzverfahren im Überblick und Empfehlung

Damit ist klar, dass die Wurzelform/Wurzellänge das wichtigste Entscheidungskriterium für die Auswahl des Pflanzverfahrens ist. Die Wurzel muss in möglichst natürlicher Lagerung in den Boden gebracht werden, damit sie sich danach weitgehend ungestört entwickeln kann. Das leistet die Lochpflanzung mit dem Hohlspaten, die im dritten Teil der Serie als besonders geeignetes Pflanzverfahren vorgestellt wird.

In der folgenden Abbildung sind verschiedene Pflanzverfahren mit ihren wichtigsten Eigenschaften im Überblick dargestellt:

Pflanzverfahren im Überblick [aus: LWF Merkblatt 4a]

Pflanzverfahren im Überblick [aus: LWF Merkblatt 4a]

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